Musikzirkus Magazin zu "Train to Heaven"

Da flattert mir die Tage eine CD von einem gewissen Georgio Farina ins Haus, der mir bis dato unbekannt war. Das Cover ist so gestaltet, dass es einen recht religiösen Hintergrund vermuten lässt und Titel wie „Walk In Peace“, „Jesus In Tibet“ oder „Gospel, Spirit, Love And Faith“ weisen in die gleiche Richtung. Das machte mich zunächst etwas skeptisch. Doch ein Blick in den Pressetext zeigt, dass hier ein Musiker am Werk ist, der nicht den Fokus auf kommerzielle Vermarktung legt, sondern mit seiner Musik humanitäre Hilfsprojekte in seiner aktuellen Heimat unterstützt. Dabei hat er sich Hilfe bei einer Anzahl von Musikern geholt.
Einige Worte zum heute 42jährigen Georgio. Er wurde in München geboren und kam mit der Musik von Cream und Led Zeppelin zur Rockmusik. Dies mündete darin, dass er bereits zu Schulzeiten eine Band gründete. Mittlerweile hat er Deutschland verlassen und lebt auf der Karibik-Insel Hispaniola. Da ihm der Umgang mit den Einheimischen sehr am Herzen liegt, gründete er das Giorgio Farina Lifeline Project. „Georgio vereint hier unterschiedliche, teils unbezahlte Leistungen und Engagements von Musikern, Textern, Grafikern, Toningenieuren, Bühnenbauern und Kameraleuten. Er kann sich dadurch auf hohem Niveau künstlerisch ausleben und gibt einen Teil der erwirtschafteten Erlöse umgehend zurück an Dorfschulen und Kleinkliniken seiner Wahlheimat.“
Kommen wir aber zur Musik, die natürlich die wichtigste Rolle bei einer Rezension spielt. Zusammen mit 15 Musikern, Sängerinnen und Sängern sind zwölf Songs entstanden, die eine Mischung aus Pop, Rock, Funk und Soul darstellen. Dazu gibt es noch vier weitere Bonustracks, die aus alternativen Versionen, darunter zwei deutsch gesungene Songs, bestehen.
Obwohl Georgio christlich-spirituelle Texte verarbeitet, so ist die Musik doch in keinster Weise verkopft oder überzogen, das zeigt schon der Opener „Walk In Peace“ der mit Wah-Wah-Gitarre und einem rockigen Sound, der mit souligen Bläsern versehen ist, wie eine Mischung aus Toto und Phil Collins anmutet. In „Don’t Look Back“ sprühen quasi die Funken, denn das ist Funk pur mit einem kleinen Schuss Gesangsstil von Anastacia (die Stimme der Sängerin liegt irgendwo zwischen Anastacia und Tina Turner, was sich auch bei den weiteren Songs fortführt). „Light Of God“ ist ein rockiger Song, der gut abgeht. Das hat schon Stadion-Rock-Qualität und enthält auch tolle Soli-Passagen.
Auch alle anderen Songs sind eingängig, mal rockiger, mal mit mehr Soul oder Funk gewürzt. Und „Global War(m)ning“ hat gar Progressive Rock-Anleihen zu bieten. Das Stück zeigt durch den Einsatz der Violine sogar eine Spur von Kansas-Sound.
Einziges Manko der CD ist, dass die Pausen zwischen den Stücken nicht ganz mit dem Index übereinstimmen (zumindest hatte ich dieses Phänomen an meinem Rechner, während ich die Rezension schrieb). Sehr schön gemacht ist das 24seitige Booklet, in dem alle Texte abgedruckt und die Musiker, darunter ein ganzer Chor, abgelichtet sind.
„Train To Heaven“ ist eine klanglich wie auch musikalisch hervorragend produzierte CD. Wer auf Rock/Pop mit einer gehörigen Portion Funk und Soul steht, der wird an dieser CD seine Freude haben und zudem auch noch einen kleinen Beitrag für einen guten Zweck leisten.

Stephan Schelle, November 2009

Musikzirkus-Magazin

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